Im Oktober zeigte die Bonner Kinemathek Brotfabrik im Rahmen der Reihe KINO MIT WEITBLICK zwei Filme zum Thema „Freiheit in Belarus“. Neben Sebastian Heinzels “89 mm” regte der Kurzfilm “Vyraj – Paradise” der Minsker Gruppe kinaklub das Publikum zum Nachdenken an.
Вырай from kinakooperatyw on Vimeo.
Während der Initiativenreise des Minsk-Clubs im März 2011 machten die beiden Slavistik-Studentinnen Christiane Scholz und Jeanette Adametz Bekanntschaft mit Aleksandr, einem Mitglied des Minsker Kinaklubs. Hieraus entstand die Idee, einen Film der jungen Filmkunst-Initiative in einem Bonner Kino zu zeigen. Jeanette Adametz leitete den Film mit folgenden Worten ein:
„Vyraj heißt nicht nur Paradies, sondern bezeichnet auch den Ort, zu dem Zugvögel zum Überwintern fliegen.
Eingedenk des Themas – die Abhängigkeit der Belarussen von ihrem Big Brother – hatten die Mitglieder der Crew, die im übrigen allesamt aus Laien bestehen, zunächst die Vorstellung, eine Art verbotenen Film zu produzieren, der in Tausenden von Kopien nur im Untergrund bekannt würde und dessen Konsum mit einer Vielzahl von Repressionen und Strafen einherginge. Einen Film, der die Leute aufrüttelt und zum Denken anregt. Das hat leider so nicht geklappt. Er wurde dann nämlich auch im belarussischen Staatskanal zur besten Sendezeit gezeigt.
Ungeachtet dessen, waren ein Teil der Aufnahmen durchaus abenteuerlich. Die Szenen, die in dieser Antiutopie in irgendwelchen dunklen unterirdischen Gemäuern spielen, wurden tatsächlich in einem alten Luftschutzkeller aus dem 2. Weltkrieg gedreht. Da diese Bunker natürlich nicht frei zugänglich sind, hat sich das Kamerateam auf nicht ganz legale Weise Zutritt verschafft, indem sie einen der verschweißten Zugänge in einigen Nächten heimlich wieder aufgesägt haben. Leider gab es das Problem, dass dieser Zugang nicht allzu weit entfernt von einem Verwaltungsgebäude des KGB lag, so dass die Sägeaktion zwischendurch für eine Woche unterbrochen werden musste, da die Gruppe unvorsichtigerweise nicht ganz leise gearbeitet hatte. Nachdem das aber geglückt war, hatten sie dann nur noch das Problem, dass sie keinen Strom hatten. Da musste dann auch schon mal das Kabel einer Straßenlaterne herhalten, das man für den Dreh anzapfte.
Alle sonstigen Szenen hat das Filmteam in öffentlichen Parks gedreht, ungeachtet dessen, dass sie in ihren leicht abstrusen Kostümen und Aufmachungen nicht unerheblich aufgefallen sind.
Ein letzter Punkt: Die Pferde, die in der ersten und letzten Szene des Films zu sehen sind, sind dem Team bei ihren letzten Aufnahmen auf einem Feld in der Nähe von Minsk wie aus dem Nichts heraus entgegengaloppiert. Spontan haben sich die Teammitglieder entschlossen, sie in den Film mit einzubeziehen, weil sie sich in einer sehr lebendigen, symbolhaften Weise von ihnen vertreten sahen. Ein wenig abgemagert, ein wenig heruntergekommen, zeigen sie Spuren des langen Eingesperrtseins.“
Was meinen Sie zu Vyraj und zum Engagement des Kinaklubs?
