Erinnern ist Wiederholung

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„Dieses Buch ist eigentlich für deutsche Leser geschrieben, lasst uns dafür einsetzen, dass es auch in deutscher Sprache erscheinen kann“, so formuliert es Dr. Holger Hindorf 2011 spontan in der Geschichtswerkstatt Minsk, nachdem wir Maja Krapina kennen gelernt haben. Auf diese Initiative folgte ein geschäftiges Jahr des Übersetzens, Redigierens, Layoutens, Internet-Telefonierens zwischen zwei Handvoll fleißigen Ameisen, die zur Verwirklichung des Projektes beitrugen: Der deutschen Übersetzung der Lebenserinnerungen von Maja Krapina, einer Zeitzeugin des Minsker Ghettos.

Als Maja Krapina im September den Minsk Club Bonn besucht hat, freut es sie besonders, dass ihre Autobiographie von jungen Absolventinnen übersetzt wurden, dass sich also auch junge Deutsche mit der gemeinsamen deutsch-belarussischen Geschichte auseinandersetzen.

Es kostet Frau Krapina viel Kraft, sich immer wieder ihren schrecklichen Kindheitserinnerungen zu stellen. Selbst während der Lesung im Bonner Rathaus, die sie nicht verstehen kann, ringt sie um ihre Haltung. Die Stimme der Schauspielerin Angelika Krayl und die glühenden Gesichter des Publikums sprechen eine deutliche Sprache. Ihr Buch wirkt — jetzt auch auf Deutsch.

Rückblickend ist es dieser Abend, der für mich dieses Projekt mit Sinn gefüllt hat. Seit der Beschäftigung mit Erinnerungskultur in einem deutsch-belarussischen Studentenprojekt interessiert es mich brennend, was junge Minsker/innen über den Zweiten Weltkrieg denken und welche Bedeutung diese Erinnerung für unser Zusammentreffen heute hat. Ich denke ganz praktisch: Wie können wir jetzt und in Zukunft damit umgehen. Ich meine, genug über die Geschichte gelernt zu haben. Das eigentliche Erinnern ist mir dabei aus dem Blick geraten.

Erinnern ist Wiederholung, auch wenn sie weh tut. Maja Krapina weiß das. Ich bin ihr dankbar, dass sie uns und vor allem sich selbst nicht schont.

Das Buch „Die dreifach Wiedergeborene“ kann hier frei heruntergeladen werden. Zur Deckung der entstandenen Kosten für die Übersetzung freuen wir uns über eine Spende.

Link zur Buchpräsentation in Minsk.

Autor: Sarah Henkel

Slavistin.

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